Die Kirchen und Kapellen von Sankt Englmar
Ohne Zweifel ist die Pfarrkirche Sankt Englmar mit dem wuchtigen, markanten Kirchturm der Mittelpunkt und das Wahrzeichen des Ortes. Die Pfarrkirche mit der geschlossenen Inneneinrichtung ist auch gleich so etwas wie das Geschichtsbuch des Ortes.
Für die Besichtigung der Pfarrkirche sollte man sich Zeit nehmen, es gibt viel zu sehen, vor allein im Zusammenhang mit dem Ortspatron Sankt Englmar, oder den außerordentlich wertvollen Hinterglaskreuzweg aus der Neukirchener Schule.
Rund um das Gotteshaus spielt sich das Leben der Gemeinde und der vielen Gäste ab. In der Stille des Gotteshauses kann man jedoch sehr schnell zur Besinnung kommen, Gedanken sammeln, die Seele bammeln lassen und einmal mehr Gott dafür danken, dass wir hier in dieser wunderschönen friedvollen Landschaft leben dürfen.
Einmal mehr wird auch in Englmar der Beweis angetreten, Dorf und Kirche gehören zusammen. Das große Fest des Englmarisuchens, heute wie so viele Brauchtumsteste natürlich auch ein vermarktetes Ereignis, wird in großer Eintracht Pfarrhaus-Rathaus gefeiert. Mag es zum Teil auch nach außen hin Spektakel sein, letztlich bleibt als Hintergrund tiefe, einfache Volksfrömmigkeit. Dieses Fest verbindet Bürger und Bauern. Dazu nun ein kleiner Kirchenführer durch die Pfarrei aus einer Zusammenfassung des Pfarramtes aus dem Jahre 1994. Haymo Richter
Pfarrkirche Sankt Englmar
Nachdem 1634 die Schweden Kirche und Dorf zerstört halten, wurde 1656 die
jetzige Pfarrkirche erbaut. Letzte Renovierung: 1992. Der Turm sowie die
Erweiterung von den beiden Kirchtüren nach rückwärts sind Zustand der letzten
Jahrhundertwende. Die Kirche ist ein ländlich-schlichter Bau, ihr Innenraum
birgt indes gute Altäre und edle Bildwerke der Spätgotik und des Barock. Eine
Aufschrift an der Turmtür besagt, dass „dies löbliche Werk" zur Zeit des Abtes
Michael Fuchs entstand. Von der Abtei Windberg aus wurde auch die Seelsorge bis
zur Säkularisation ausgeübt. Das große Gebäude über dem Kirchplatz ist der alte
Prämonstratenserpfarrhof (jetzt Pension). 1937 wurden die neuromanischen Altäre
entfernt. Der jetzige Hochaltar (Spätrenaissance 1640) kam aus dem Kirchlein St.
Leonhard hierher. Der eingebaute Reliquienschrein befindet sich seit 1717 an
dieser Stelle. Die Figur thront auf einem Barocksessel, angetan mit rotem Samt
und aufgesticktem Rankenwerk in Gold. Das
Haupt und die an den Seitenwänden des
Schreins befestigten Gebeine sind beurkundet. Davor St. Englmar in der Glorie
(Hochbarock, vermutlich aus der Oberalteicher Schule). Rechts davon hl.
Wolfgang, Patron des Bistums Regensburg (um 1510), links hl. Barbara (1510).
Bild im Giebelfeld: Apostel Andreas. In den Wandnischen neben dem Hochaltar:
Rechts hl. Scholastika, die Schwester des hl. Benedikt (1730). Links hl.
Leonhard (1480). Der Volksaltar wurde aus der ehemaligen Chorschranke
(Kommunionbank) zusammengefügt, die aus der Erbauungszeit der Kirche stammt.
Von den Seitenaltären kam der linke (1708, siehe Inschrift) aus der Friedhofskapelle hierher. Außer der Madonna (1938) sind alle Figuren der Seitenaltäre Arbeiten aus dem Barock. Rechts von der Mutter Gottes der hl. Josef, links der hl. Johannes Nepomuk. Oben allerheiligste Dreifaltigkeit. Der rechte Seitenaltar ist eine geschickte Nachbildung (1938). In der Mitte der hl. Florian, rechts die hl. Margaretha, links der hl. Stefanus. Oben spätgotisches Relief: Ermordung des seligen Engelmar (1510). Auf der linken Seite am Hochaltar zwei auf Holz gemalene Legendentafeln (19. Jahrhundert). Motive über Engelmarlegende. Die Kanzel (1656) trägt auf ihrem Schalldeckel Hirsch, Lamm und Kalb: Hinweise auf den tierliebenden Waldvater. Obenauf Johannes der Täufer (18. Jahrhundert). Gegenüber Kreuzigungsgruppe mit Maria und Johannes (Frührokoko um 1735).
Die Kreuzwegstationen sind Hinterglasbilder (18. Jahrhundert). Diese wurden in den Jahren 1992/1993 anlässlich der Kircheninstandsetzung vollkommen renoviert. Die 14. Station musste neu ersetzt werden. An der Emporebrüstung die Apostel Petrus und Paulus (Holzreliefs 1650). Neben der Kirchentüre der hl. Franziskus, ein Werk des Regensburger Dombaumeisters Richard Triebe (1969). Er schuf auch den Waldvater in Stein (1970) am Brunnen vor dem Kirchhof. Im Kirchenschiff sind sechs Tafelbilder (1656), die in Ölgemälden und Reiminschriften die Engelmarlegende erzählen. Die drei Deckengemälde (1735), vom Altarraum nach hinten: 1. Jüngstes Gericht, 2. Engelmars Patronat, 3. Engelmars Ermordung.
Filialkirche St. Wolfgang in Rettenbach
1953 von Hans Beckers erbaut. Bau und Raum fügen sich in glücklicher Übereinstimmung zur Landschaft und Wesensart dieses idyllischen Fleckens. Daneben der Friedhof, angelegt von Adolf Neuhofer, eine bestens gelungene Verbindung von gärtnerischer Anlage und den Grabzeichen nach Richtlinien der neuen Friedhofskunst.
Waldkapelle zur „Weißen Marter"
Beliebtes Ziel von Betern und Spaziergängern. Erstmals 1866 errichtet. Neu erbaut 1962. 1972 wurden von 13 Votivbildern zehn gestohlen. Die neuen Legendentafeln schuf Franz Fischnaller 1973. Diese wurden wiederum gestohlen. Hans Kolbeck schuf 1985 neue Hinterglasbilder.
Filialkirche Klinglbach
Der jetzige Altarraum stammt von 1886, wurde als Privatkapelle errichtet. 1938 zur Filialkirche erweitert, 1955 innen, 1970 außen renoviert. 1986 innen und außen renoviert.
Kapelle Sankt Leonhard
Am Südwestende des Dorfes, auf halber Höhe des Kapellenberges, steht das älteste Bauwerk des Ortes, 1480 eingeweiht, wie
die Jahreszahl an der Altarplatte besagt. Empore und Deckenstuck stammen aus dem 18. Jahrhundert. Der schöne Christuskörper am Kreuz an der Rückwand über dem Altar ist spätbarock. Die Schmerzensmutter darunter ist eine bäuerliche Schnitzerei (gegen 1800). Die Tafelbilder an den beiden Seitenwänden sind frühere Altarblätter. Links Engelmars Ermordung (1550). Rechts ein interessantes Allerseelenbild, auf dem neben Jesus und Maria auch der hl. Norbert und Engelmar zu sehen sind (1700). Links neben dem Altar iin Schrein die (neuere) Engelmarifigur die zur Feier des Pfingstmontags verwendet wird. Auf dem Schrein die Figur des Kirchenpatrons, eine Tonplastik des Südtirolers Franz Fischnaller (1975). Ein paar Votivtafeln aus dem 18. und 19. Jahrhundert zeigen, dass dieses Leonhardsheiligtum eine weit bekannte Wallfahrtsstätte war. Die Kapelle Sankt Leonhard wurde 1985 renoviert.